Jenseits der Krise.
"Ob Krisenmanagement, Ertragssteigerungsprogramme oder Business Development - Interim Manager operieren eigentlich immer in Restrukturierungsumfeldern", so lautete der einhellige Tenor des 5. IIMM, das am 12. und 13. November in Münster stattgefunden hat. Deshalb halten sich die Auswirkungen der jüngsten Wirtschaftskrise auf die Interim Management Branche in engen Grenzen. Zwar verlangten akute Krisenentwicklungen in einigen Branchen und Marktsegmenten derzeit vor allem nach Interim Managern mit Sanierungs- und Turnaround-Erfahrung. Doch auch die anderen Fachexperten der Branche kommen nach Einschätzung der einladenden Dachgesellschaft Deutsches Interim Management schon im kommenden Jahr wieder zum Zuge. Denn nach dem Notfalleinsatz folge in der Regel der Wiederaufbau, für den die spezialisierten Interim Manager besondere Fachkompetenzen einbringen.
Nach enormen Wachstumsraten von bis zu 30 Prozent in den letzten Jahren und einem leichten Rückgang in 2009 erwartet der DDIM-Vorstandsvorsitzende Jens Christophers daher für 2010 schon wieder ein Umsatzplus von 10 bis 20 Prozent. "Eine wachsende Zahl von Unternehmen und Institutionen nutzt externe Kompetenzen auf Zeit, um Krisen schnell zu überwinden, Vakanzen flexibel zu überbrücken, punktgenaues Know-how zu gewinnen oder komplexe Managementaufgaben effizient zu lösen", erklärt Christophers den anhaltenden Wachstumstrend.
Das International Interim Management Meeting war auch in diesem Jahr wieder gut besucht. Über 250 Teilnehmer aus Wirtschaft, Wissenschaft und Interim Management nutzten die Gelegenheit zum intensiven Erfahrungsaustausch und verschafften sich einen umfassenden Überblick über Leistungen, Angebote und Trends der Branche.
Die beiden hochkarätigen Keynoter gaben hierfür viele wertvolle Impulse. Während der internationale Finanzgremien beratende Multiunternehmer und Angel Investor Peter Jungen den Blick auf Ursachen, Tragweite und Perspektiven der als "Finanzkrise" bezeichneten Entwicklungen öffnete, orientierte der CEO der WERU AG und vielfache Unternehmensgründer Jürgen Wirths die Zuhörer auf die operative Praxis im Mandantenunternehmen, indem er klare Anforderungen an das professionelle Interim Management stellte. Zwischen analytischer Weitsicht und operativer Umsetzung changierten dann auch die weiteren Referate und Workshops des IIMM.
Aufgelockert wurde die Konferenz durch den abendlichen Auftritt des Comedians Christoph Brüske, der sowohl die allgegenwärtige Krisenbeschwörung als auch die anwesenden Krisenretter gekonnt auf die kabarettistische Schippe nahm und dafür anhaltenden Beifall erhielt.
Brüske's Intermezzo
"Jetzt ist das International Interim Management Meeting schon wieder 5 Wochen her und ich bin gefragt worden: "Na, Christoph, wie hat's Dir denn bei uns Interims Managern gefallen?"
Abgesehen davon, dass ich dieses Wort erst an dem Abend kennen gelernt habe, fand ich es eigentlich wunderbar. In-te-rims-Manager: Herrlich. Klingt wie der kleine Hunger zwischendurch, das Knoppers der Volkswirtschaft. Aber die Leute werden gebraucht! In Zeiten von Finanzmarktkrise, Insolvenzen und Hedgefonds muss ja einer den Karren aus dem Dreck ziehen. Ich merke es doch bei meinen Veranstaltungen auch. Letztens traten vor meinem Auftritt zwei Wirtschaftsexperten auf, ein Optimist und ein Pessimist. Der Optimist sagte: "In sechs Monaten gehen wir alle betteln!" Der Pessimist daraufhin: "Ja, sicher, aber bei wem?" Nein, es sind keine einfachen Zeiten.
Jetzt habe ich gelesen, dass der Saab Deal mit Koenigsegg geplatzt ist. Ist das ein Wunder? Koenigsegg ist eine kleine schwedische Sportwagenschmiede, die es geschafft hat, letztes Jahr sage und schreibe 17 Fahrzeuge zu verkaufen. Vorschlag zur Güte: Warum übernimmt nicht IKEA Saab? Ikea schreibt seit Jahren Rekordgewinne. Dann hieß es nicht mehr Saab, sondern Sööb, wäre ein Eigenbau mit 16.000 Einzelteilen und ... einem Imbusschlüssel. Da gehst Du 3 Monate in den Hobbykeller und fertig ist die Luxuslimousine. Ich hätte sogar schon einen Claim: "Schraubst Du noch oder fährst Du schon?"
Oder dass Quelle versiegt, hat Sie das wirklich überrascht? Wann waren Sie das letzte Mal in einem dieser topp sortierten Quelleshops, wo Du Dir manchmal dachtest: Das Wort Quelle kommt von Quälen!
Aber den Gipfel des Wahnsinns siehst Du ja zur Zeit in Dubai. Der höchste Wolkenkratzer der Welt, im wahrsten Sinne des Wortes auf Sand gebaut. Was für eine wüste Spekulation. War da beim Scheich der Turban zu eng gebunden war und das Gehirn von der nötigen Blutzirkulation abgeschnitten?
Sie sehen: Gute Manager werden gebraucht und wenn auch nur für zwischendurch. Und es gibt ja auch gute Management Konzepte. Letztens auf dem Weg zum Auftritt saß ich auf einem dieser hochmodernen High Tech Klos und durfte lesen: Sanifair - die Toilette des Jahres! Eigentlich will ich in so einem Moment mehr darüber wissen: Wer hat sich da beworben? Und vor allem, wer wählt so was? Die Zeitschrift "Lokustest" oder das "Fraunhofer Institut für Stoffwechsel in Darmstadt?"
Auf jeden Fall ist es ein cleveres Konzept, weil für die Sanifair Manager immer etwas abfällt. Hören Sie mal: Ich habe mir schon so oft an einer Raststätte einen Kaffee gegönnt und mich im Nachhinein geärgert. Weil es günstiger gewesen wäre, ihn erst zu schiffen und dann zu kaufen.
Christoph Brüske zählt zu Deutschlands meist gebuchten Kabarettisten auf Galas, Seminaren oder Incentives. Der quirlige Rheinländer moderiert auch Tagungen und hat sich in der Welt der Management Events einen Namen gemacht. Seine Themen umfassen die aktuelle Politik, Wirtschaft, Globalisierung, Konsum, Lifestyle und Visionen der Zukunft. Ganz aktuell widmet sich der 1. FC Köln Fan auch dem Hype um die Fußball WM 2010. Sein Titel dafür: Hakuna Matata - unser König der Löw! Mehr über diesen vielseitigen Künstler unter www.brueske.de
